Erfolgreich scheitern

Dieser Blog ist ein sehr persönlicher Einblick in meine Denkweise und in meine Gefühlswelt, zu der auch das Eingeständnis erlittener Niederlagen gehört. In meiner Menüfolge Tiny Tall Tales finden sich von Vor-, über Haupt-, bis zu den Nachspeisen ‚Losing à la carte‘ (das ist nicht denglisch, sondern franglisch). 

Wenn ich eine Story für einen Wettbewerb schreibe, bin ich abschließend euphorisiert und finde sie im Moment der Abgabe gelungen. Es wäre schlimm, wenn es nicht so wäre. Je öfter ich sie später nochmal lese, desto mehr Zweifel schleichen sich ein, bis wieder Hoffnung und Gelassenheit Oberhand gewinnen. Warum nehme ich an Schreibwettbewerben überhaupt teil? Sie sind gute Übungen, Vorgaben, wie Länge, Genre oder Thema, einzuhalten und sich dem Vergleich zu stellen – ähnlich wie in Schreibkursen. Ich schaue, wie MitbewerberInnen die Geschichte angehen, und ich sortiere mich ein: Kann ich mithalten, woran muss ich verstärkt arbeiten, warum finde ich andere gelungener? 

Bisher kam am Ende stets die offizielle Ernüchterung. Okay, es hat auch diesmal mit Dinner for One wieder nicht gereicht! Dabei lerne ich langfristig, mein Wohlbefinden und mein Vertrauen in mich, nicht von diesem Ergebnis trüben zu lassen, denn viele Faktoren spielen in die gefallenen Entscheidungen hinein, von denen die meisten sogar außerhalb meiner Einflussnahme liegen. Jurys setzen sich aus Menschen mit all ihren Vorlieben, Abneigungen und natürlich auch ihrem Fachwissen zusammen, sind aber immer subjektiv in ihrem Urteil. 

(Ich bin auch ganz gewiss kein schlechter Verlierer, wenn ich, wie soeben geschehen, einfach nur darüber stolpere und stutze, dass die Veranstalter des auf Instagram ausgetragenen Wettbewerbes, Follower sämtlicher Finalisten- und Finalistinnen-Accounts waren, weil es sich um Kunden dieser Dienstleister handelt. Zufall? Möglich. Hätte man das ggf. schon als Bedingung in der Ausschreibung fixiert, wäre mir das peinliche Gefühl, mich wie ein ungebetener Gast beim gierigen Griff am üppigen Buffet einer geschlossenen Familiengesellschaft erwischt zu haben, erspart geblieben. »Honi soit, qui mal y pense.« Trotzdem auch von hier aus nochmal herzliche Glückwünsche an die Teilnehmer der Finalrunde im Mai!) 

Dennoch bleibt der generelle Zweifel an meinem eigenen Schaffen berechtigt: Warum konnte ich diese oder jene  Jury (oder außerhalb der Challenges, die Leser) nicht erreichen? Wo lag der Hase im Pfeffer? Dass ich mir diese Fragen überhaupt stelle, verdeutlicht meinen Entwicklungsprozess. Ich bin noch lange nicht fertig und da, wo ich hin will! Was ich als Schülerin einst hasste, suche ich jetzt: Konstruktives Feedback, wie beispielsweise stilistische Fehler, Themenverfehlungen, unpräziser Ausdruck, nicht authentisch erzählt, uninspiriert oder todlangweilig – womöglich bin ich so talentfrei wie eine Laugenstange? Heute gibt es nur noch schweigende Ignoranz oder Geschöntes, damit man keine Zuneigung vergeigt oder in ganz, ganz seltenen Fällen gibt es den Erfolg – scheinbar das einzig verlässliche Maß.

Die erneute Niederlage bringt mir außer einer überwindbaren Enttäuschung mehr bei, als ein Sieg, der mich zu übertriebener Eitelkeit und Selbstverliebtheit hätte verführen können. So bleibe ich geerdet. Aber es ist auch legitim und menschlich, mich nach viel Erde, mal nach etwas Höhenluft zu sehnen. Höhenluft ist nicht gleichbedeutend mit einem Höhenflug, einem Sieg, sondern mehr im Sinne von, in den Genuss von Zuspruch oder Anerkennen »Du bist auf dem richtigen Weg« kommen. Das spornt an! Schließlich möchte ich irgendwann nicht allein mit Short Storys, sondern ganzen Büchern überzeugen können.

Nach der Challenge, ist vor der Challenge!😉

Das von mir verfremdete Titelfoto ist von Gerd Altmann auf Pixabay – vielen Dank!

6 Thoughts

  1. Ich kann dich gut verstehen – abgelehnt zu werden bringt Enttäuschung mit sich. Man zweifelt, ob das Werk gut genug für einen Wettbewerb ist, ob man das Schreiben nich ganz lassen soll. Bei dir aber bin ich mir sicher, dass es nicht an deinem Können liegt. Ich finde, du schreibst gut! Das Problem ist eher – es gibt zu viele Schreibenden und zwangsläufig auch immer mehr, die gut schreiben.
    Also – nicht aufgeben!
    Wie sieht es denn mit diesem Wettbewerb aus?: https://blogq5.de/literatur/schreib-und-malwettbewerb-auf-blog-q5-vom-streiten-und-zusammenraufen/ Zeit bis zum 21. Juli hättest du noch. 😉👍
    Liebe Grüße
    Rosa

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    1. Danke, liebe Rosa, für Deine Ermunterung! Nein, so schnell werfe ich die Feuerwaffen nicht ins Getreide😉 und ich glaube daran, dass gerade im Scheitern eine Chance liegt. Den von Dir verlinkten Wettbewerb hatte ich schon im Hinterkopf, aber die Muse muss mich noch küssen (oder sollte ich mit ihr streiten, um dem Thema näher zu kommen?)! Bist Du denn auch dabei oder bist Du als Mitglied des Jury- und Orga-Teams ausgeschlossen?
      Liebe Grüße,
      Heather

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      1. Hallo Heather,
        mit der Muse streiten – das wäre doch was! 😊
        Doch, ich darf mitmachen (wie die anderen Team-Mitglieder auch), aber außer Konkurrenz, sozusagen. Vermutlich werde ich eine schon „fertige“ Geschichte einsenden. Sonst habe ich auch noch keine Idee zum Thema.
        Ich drücke dir die Daumen und bin sehr gespannt, was deine Muse bei dir bewirken kann. Vielleicht „treffen“ wir uns ja im Buch. 😉

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  2. ich mag deinen Stil – du hast eine ganz herzerfrischende Art und schreibst mit einem Augenzwinkern 😉
    Wenn du veröffentlichen willst, dann tu es – lass dich nicht stoppen 🙂

    Es ist nur die Frage, warum du veröffentlichen möchtest, denk an den Kommentar, den du auf meinem Blog hinterlassen hast 😉

    und was die Wettbewerbe betrifft, keiner weiß wirklich, welche Kriterien an die potentiellen Gewinner gesetzt werden, vielleicht sind es „Liebkinder“, vielleicht schreibt wer anderer näher am Gewünschten. Aufstehen, Staub abklopfen, weitermachen … in diesem Sinne – es gibt immer ein weiteres Mal

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    1. Danke für die Ermunterung, Rhia! Ich schrieb den Beitrag auch weniger als Klagelied, sondern als persönliches Beispiel zur Erfahrung, dass JEDER von uns, in JEDER Position kleine und große Niederlagen hinnehmen lernen muss, aber nur die optimistische Betrachtung und Aufarbeitung uns weiterhilft. Auch wenn wir alle unterschiedlich ticken, so ist der optimistische Blick trainierbar. (Erfolgsverwöhnte Menschen fallen deshalb bei einer Niederlage auch viel tiefer als ‚Kämpfer‘.)

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