Hier bin ich Mensch!

Sieh nur, sieh, wie behend sich die Menge

Durch die Gärten und Felder zerschlägt,

wie der Fluss in Breit und Länge

so manchen lustigen Nachen bewegt,

und, bis zum Sinken überladen,

entfernt sich dieser letzte Kahn.

Selbst von des Berges ferner Pfaden

blinken uns farbige Kleider an.

Ich höre schon des Dorfs Getümmel.

Hier ist des Volkes wahrer Himmel.

Zufrieden jauchzet gross und klein:

»Hier bin ich Mensch, hier darf ichs sein!«

Johann Wolfgang von Goethe

Die letzte Strophe des berühmten Gedichtes »Osterspaziergang« aus Goethes »Faust«, wobei das bekannteste Zitat sicherlich die letzte Zeile ist. 

Der harte Winter ist vorüber, warme Sonnenstrahlen wärmen Erde und Seelen. Die Natur erwacht aus dem Winterschlaf und die Menschen zieht es voller freudiger Erwartung nach draußen in die Natur, wo sie sich dem jungen Blattwerk gleich, entrollen, entfalten und zufriedene Genießer werden.

Ich schätze, es wird nicht allen so ergehen, aber viele von uns atmen auf, wenn sie ihre Häuser, ihre Wohnungen verlassen können, um sich Aktivitäten unter freiem Himmel zu widmen. Sei es bei meditativer Gartenarbeit, selbst bei lebensnotwendigem Erwerb in der Landwirtschaft oder aber bei freizeitlichen, sportlichen Beschäftigungen – wir »bekommen den Kopf frei«. 

Mein Kopf, das bin ich. Wäre die Seele ein physisches Etwas, so fände man es sicher im Gehirn. Ist mein Kopf frei, so bin auch ich frei! Für mich – ich erwähnte im Beitrag Mein Weg mit der Angst schon mein Handicap – gelang dieser Freiheitsgewinn sogar in seiner Umkehrung und ich zog daraus einen gewissen therapeutischen Nutzen für mich. Meine Angst terrorisiert mich täglich, sie macht mich zu ihrer Gefangenen und will ich sie austricksen, so widersetze ich mich ihren Drohungen, winde mich kurz aus ihrer Umklammerung und zwinge mich raus. Dieses unbeschreibliche Glücksgefühl des siegreichen Zwergenaufstands fegt mein Gehirn bis in den letzten Winkel aus und mein Kopf ist für eine befristete Zeit wieder offen für positive Sinneseindrücke, für Hoffnungen, für eine Vorausschau, für eine Zukunft. Dann bin ich Mensch und darf es sein!

In diesen leergefegten Gehirn-Freiraum drängen mit Vehemenz nicht nur »natürliche« Impressionen, sondern auch, und ich gebe zu, manchmal ist die Drängelei recht anstrengend, Inspirationen und fantastische (im Sinne der Fantasie, nicht der Wertung!) Geistesblitze, die nach Verarbeitung trachten. Wer Lust hat, sich von einer derart inspirierten, dem österlichen Thema angepassten, Schauerkurzgeschichte unterhalten zu lassen oder sich die Wartezeit beim Garen der Kartoffeln oder des Auflaufs für das Osteressen zu verkürzen, findet sie mit dem Titel Der Osterspaziergang. Schreibt doch mal in die Kommentare, ob und wie sie Euch gefallen hat. (Unter Tiny Tall Tales gibt es noch mehr Short Storys, falls Ihr auf einen Braten warten müsst, der bekanntlich mehr Garzeit benötigt.)

Ich wünsche Euch alles Gute, bleibt gesund und genießt die freie Zeit und die Ostertage! Stay home, stay safe!🥚🐇🥚

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