Oben oder unten?

Kopfstand.

Menschgemachte Definition.

Oben oder unten?

Im All ist alles.

Überall.

Einleitendes Elfchen für´s beginnende MonatsZwölfchen

Wir lieben Ordnung. Wir richten, richten aus und danach wiederum uns aus. Wir mögen Hierarchien, Strukturen, Statistiken, Formen und Formalien. Bis ins allerkleinste Detail. Vielleicht dient die Ordnungsliebe den Kurzsichtigen, bei zu großem Abstand nicht die Orientierung zu verlieren. Weitsicht, Vorausschau, Überblick, den Blick für´s Große und Ganze kann man hingegen nur durch Distanz erreichen. Körper im unendlichen Raum des Universum kennen weder oben noch unten. Diese Vorstellung erschreckt uns, denn wir fühlen uns seltsam haltlos und verloren. Wohl dem, der das rechte Maß findet, wann man Dinge sehr nah an sich heranlassen muss, um sie richtig zu verstehen und wann Abstand vonnöten ist, um gerecht zu urteilen oder auch effektiv zu helfen. 

Ob mit oder ohne Corona, in der Adventszeit sollten wir uns nicht an Weihnachtsmärkte mit »Stille Nacht« aus altersschwach plärrenden Lautsprechern oder Glühwein aus Pappbechern klammern. Auch wenn es uns die Werbung seit Kindertagen einbläut, nicht an süßliche Hochglanzweihnachtsgefühle der Möbelmagazine mit klassischer Familienidylle »Papa, Mama, Sohn, Tochter, Opa, Oma«. Und auch nicht an proppevolle Elektronikmärkte, egal ob maskiert oder in virenfreien Jahren (die es noch nie gab) auch ohne Schutz, nicht an den besinnungslosen Geschenkerausch »evermore more and more« und genauso wenig an Carribbean-X-mas-Airliner. An der Nichterfüllung unrealistischer Traumvorstellungen scheitert jede Psyche! Die Adventszeit ist vielmehr die Zeit des Zusammenrückens und der Verringerung der Distanzen, und zwar dort, wo es trotz Corona möglich und erlaubt ist – innerhalb der Familien oder familienähnlichen Strukturen. Hier gilt es, Abstände zu verringern und zu überlegen, wie wir die schwächeren Glieder, bspw. in den Heimen, wieder mit einbeziehen können, ihnen Trost, Freude und Hoffnung schenken können! Ja, wir erleben eine Krise, aber wir verfügen alle mehr oder weniger über Mechanismen, wie wir ihr begegnen könnten, um sie erträglicher zu gestalten. Und wenn einer versagt, so sollte ein anderer einspringen. Wenn diese Zeit eines Tages vorüber sein wird, werden wir feststellen, dass wir vielleicht sogar trotz aller Tragik etwas daraus gelernt haben, wir daran gewachsen sind. Und wenn es zumindest das Fremdschämen, besser noch der (hoffentlich) heftige Widerstand gegen so hirnlose, peinliche Demo-Parolen selbsternannter »Querdenker« mit ihrer erztumben Galionsfigur »Jana aus Kassel« ist. 

Ich wünsche Euch eine erfüllte Vorweihnachtszeit, die, entzieht man sich dem kollektiven Druck, wirklich be-SINN-lich sein kann! Wie wäre es mit sinnlichen Gaumenfreuden? Wer Lust hat, schreibt mir ihr/sein Lieblingsrezept in die Kommentare. (Kostproben bitte direkt an die Anschrift im Impressum 😂.) Alterativ gerne auch Euer literarisches Must-Read in dieser Zeit?

4 Thoughts

  1. Ich hab nen Kumpel ohne Maske getroffen und der sagte: „Ich hab keine Angst vor Corona und du wohl auch nicht!.“ Ich hatte gerade keine Maske auf und sagte: „Nein, ich auch nicht!“

    Da wurde mir erst gewahr, was das für eine Maskenkasperei ist, die doch nichts nützt, angsichts der neuen Infefektionsfälle.

    Liken

    1. Die Frage lautet nicht, habe ich persönlich Angst vor einer Infektion, sondern wie kann ich verhindern helfen, dass ich (ohne es zu wissen) zum wandelnden Infektionsherd werde und letztlich mit meinem Verhalten die Intensivmedizin an ihre Grenzen bringe, die in letzter Konsequenz nach dem sehr unschönen Triage-System vorgehen muss. Ohne Maskenpflicht wären wir längst an diesem Punkt und schon darüber hinaus! Außerdem denke ich, dass angesichts der Ausmaße dieser Krise, dieser Minimaleinsatz von uns Normalbürgern locker einforderbar sein sollte und kaum eine Diskussion wert ist. In Asien handhabt man das auch ohne Corona schon seit vielen Jahren, rein aus Höflichkeit und Rücksicht. In diesem Punkt haben wir extremen Nachholbedarf! 😷
      Bleib gesund!

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      1. Waren wir uns darüber nicht schon längst einig ??? Schon meinen Beitrag vergessen, den du kürzlich noch gelobt hast ??? Sei mir nicht böse, aber du klingst sehr oberlehrerhaft, zumal wir das ja alles wissen und täglich wieder hören und ich es selbst ja immer wieder sage. Mein schwarzer Humor mit ernster Miene wird wohl immer noch nicht überall erkannt. Michael Mittermeier hat kürzlich behauptet: „Man darf auch über Corona lachen .. „. Ich fühl mich wie in der Schule, von der Lehrerin abgekanzelt .. Ich weiß nicht, ob das der richtige Weg ist, sich über andere zu erheben, indem man sie belehrt wie Sekundaner. Bin etwas enttäuscht von dir ..

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      2. Guten Morgen, lieber Sven,
        es tut mir von Herzen leid, Dich menschlich enttäuscht zu haben – auch wenn mir wirklich nichts ferner lag als das! Ja, ich kenne deinen schwarzen Humor ein wenig, aber ich konnte die Aussage nicht unkommentiert lassen, weil wir beide nie wissen können, auf welchen »Boden« Geschriebenes fällt, bzw. WER es liest und WIE es verstanden wird. In diesem Falle glaubte ich in deinem Kommentar zuviel Öl auf die Mühlen derer, die sich Querdenker nennen, zu erkennen. Wir führen beide auf unseren öffentlich sichtbaren Blogs, für die wir verantwortlich zeichnen, keinen privaten Schriftwechsel, wo man sozusagen unter sich ist und Inhalte deshalb individueller werten kann. Die Crux des geschriebenen Wortes – mehr steht uns Schreiberlingen zum Verständnis nicht zur Verfügung. Man kann nicht schmunzeln, nicht mit dem Auge zwinkern – da steht nur das nackte Wort.

        Zur Oberlehrerin fehlt mir schon aufgrund immenser Wissenslücken das Zeug, und auch ich hasse Überheblichkeit, aber ich bin auch keine anbiedernde zum-Munde-Rednerin, was mir leider schon viele Fallstricke im Leben bescherte! Natürlich kann und darf man dem sich einem ernsten Thema auch humorvoll nähern, doch, steinige mich, das war mir nicht eindeutig genug (oder nur für mich?) erkennbar und ich hielt eine möglichst sachliche Antwort deshalb für angemessen. Trotzdem hoffe ich, dieses Missverständnis und auf ein solches lässt es sich reduzieren, aus der Welt schaffen zu können, um uns wieder anzunähern. Schließlich geht es in meinem Beitrag gar nicht primär um Corona, sondern um Abstand, Nähe und darum, dass nur wir Menschen diese Positionen definieren. Mea Culpa! 😩
        LG, Heather

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