Gemeinsam nicht einsam!

Gleich zwei Beiträge in Folge über die Corona-Krise! Zuviel? Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass zumindest zu so gravierenden Tagesthemen mein Blog Stellung beziehen muss. „Wer die Musik bezahlt, bestimmt, was gespielt wird“, heißt es und wer schreibt, sollte das nicht der Realität entrückt in seinem Elfenbeinturm tun.

Ob er es nun, wie vermutet wird, selber von einem seiner Lehrer entliehen und für seine Zwecke umformuliert hat, sei dahingestellt, doch wird folgendes Zitat John F. Kennedy zugesprochen: „Frage nicht, was dein Land für dich tun kann – frage, was du für dein Land tun kannst.“ Aktueller kann ein Zitat kaum sein und selten war eine Antwort auf diese Frage so einfach: Zuhause bleiben! Doch warum fällt uns das in der aktuellen dramatischen Corona-Krise so schwer? Haben wir nicht zuvor gestöhnt über die Last der Termine, über die Alltagshetze und haben uns nach Entschleunigung, nach mehr Frei- und Ruhezeit gesehnt? Jetzt dürfen wir nicht nur, sondern müssen in unseren vier Wänden ausharren. Aber warum setzen sich dann, bevorzugt junge Menschen über diese klare Ansage hinweg und spielen Russisches Roulette mit ihrer Gesundheit und dem Leben derer, die sie bei ihren leichtsinnigen Rudelaktivitäten möglicherweise infizieren könnten? Sie sind mitverantwortlich für die hohe Infektionsgeschwindigkeit und die tragischen Konsequenzen daraus.

Einsicht, die Grundlage für solidarisches Verhalten, ist vermutlich schon deshalb so schwer zu erzielen, weil die Viren unsichtbar sind und der Krankheitsverlauf somit im Verborgenen abläuft. Wir haben zwar eine so noch nie dagewesene Informationsfülle, aber trotzdem eine viel zu hohe Zahl an Ignoranten! Böse Zungen behaupten, dass die vermittelten Inhalte zu sachlich und somit unverständlich für eine Generation mangelhafter Lesekompetenz sei und man sie vielleicht mit Bildersprache und Emoji-Niveau abholen müsse.  

Ich habe eine andere Vermutung, eine menschlich verständlichere. In den unbeschwerten Jahren vor der Krise haben die jüngeren Generationen Social Media nicht nur genutzt und durch z.T. exzessiven Gebrauch zu dem gemacht, was es heute ist, benötigten dafür als Basis jedoch immer echte, physische Nähe und Kontakte. Ich muss den Teller Spaghetti oder den italienischen Eisbecher in Gesellschaft meiner Familie oder realen Freunde zunächst draußen kaufen und genießen, um ihn auf einer Plattform mit dem Hashtag „lägga“ hochzuladen. Wird diese Basis, der gesellige Kontakt, entzogen, bricht scheinbar die komplette Welt darüber zusammen. Social Media hat nicht wie viele glauben, gelebtes Miteinander abgelöst – es ergänzt und erweitert es nur. Jetzt aber, alleine zu Hause, mit drastischen Kontakteinschränkungen und dem Überangebot verstörender Nachrichten, nagt erst die Sorge, dann die Angst und letztlich die Panik an uns. Wir fühlen uns plötzlich klein, hilflos, einsam und im Stich gelassen. Wir haben uns in den vergangenen Jahren keinerlei Werkzeuge aneignen müssen und keine Kenntnisse über den Umgang mit ihnen erlernt, wie man mit Notfällen und Katastrophen umgeht. Unsere Wohlfühl-Sucht, unser Egoismus und der hohe Lebensstandard haben uns weichgespült, haben uns nichts mehr abgefordert und verfallen nun dem großen Jammern. Unsere Angst zieht uns raus, denn der Mensch ist ein Herdentier und wenn es schon sein muss, dann wollen wir wenigstens in Gesellschaft leiden oder – Achtung, Chance – helfen.

Aber außer den Berufsgruppen und Initiativen, die absolut unerlässlich für unsere Basisversorgung sind, sind alle anderen zwangsfreigestellt und haben, zum Wohle aller, Stubenarrest und es bleibt uns nichts anderes übrig, als dieser Situation das Beste abzugewinnen.

Wohin aber nun mit unseren Ängsten und Sorgen? Hier scheint Social Media nur wenig dagegen setzen zu können – es lebt schließlich von unserem Content. Ich bin lediglich bei Instagram leidlich aktiv und stelle fest, dass es nur noch Corona-Themen der sich wiederholenden Art gibt und viel zu viel Werbung mit dem Virus. Beides will niemand! Ich bin noch ein Relikt der Briefschreiberepoche und der festen Überzeugung, dass man nicht einmal am Telefon eine physische Distanz besser überbrücken und sich so nahe sein kann, wie mit einem Brief – oder modern angepasst, einer Email. Während des Schreibens bin ich im Idealfall in Gedanken beim Adressaten, stelle mir ihn/sie vor und das, was er/sie von mir lesen möchte. Ich beantworte Fragen aus vorangegangenen Briefwechseln, greife vor, frage selber, berichte aus dem Alltag, bin fokussiert und konzentriert. Ich werde Du, und Du wirst ich. Und mein Gegenüber hat immer etwas in der Hand, um es erneut zu lesen, Schwingungen und unterschwellige Gefühlsnuancen zu entdecken. Schreiben ist überlegter, befreit von Gewäsch und es rutscht nicht unversehens etwas spontan heraus, was später bedauert werden muss. Inniger geht es kaum. Feldpost-Briefe haben Soldaten mit ihrer Heimat verbunden und wurden von den Empfängern oft wie Schätze gehütet. Vielleicht sollten wir diese Tiefe für uns neu entdecken?

💡: Ich ergreife mal die „Minitiative“ und wage etwas! Wer in diesen Tagen alleine zu Hause sitzt und niemanden hat, mit dem er/sie die deprimierenden News richtig sortieren kann, ohne sich verrückt zu machen, wer sich einsam fühlt, Sorgen, Ängste und Probleme teilen möchte, ohne sie in einer anonymen Community öffentlich zu machen, der kann mich anmailen. Ich besitze keine Ausbildung sozialer, theologischer, medizinischer oder psychologischer Art – ich bin nur gelernter Mensch. Aber was spricht gegen Menschlichkeit? Nicht jeder ist berufen, an vorderster Front seinen Einsatz zu bringen, aber viele kleine Lichter sorgen durchaus für etwas Helligkeit. Kleine Spielregeln gibt es allerdings. Ich sichere Diskretion zu – was Ihr schreibt, bleibt bei mir (es sei denn, es geht um sexistische, diskriminierende und/oder strafrechtlich relevante Inhalte, da kenne ich kein Pardon) und es wird auch nichts gespeichert. Und, schlimm, dass ich das extra erwähnen muss, diese kleine Aktion ist KEIN Kontaktgesuch und ich suche keine/n Partner für was auch immer. Denkt Euch einfach zurück in Schulzeiten, als Penpals/Brieffreunde vermittelt wurden. Wir quatschen über Bücher, meinetwegen über das Schreiben, über Natur, Fotografie, über Tagesgeschehen, unsere Heimatorte oder, oder …. und vergessen in den Du-Augenblicken, in Corona-Panik zu verfallen. 

Erzählt es ruhig weiter, denn meine Reichweite ist kläglich, oder überlegt, ob Ihr vielleicht ähnliche, unbürokratische und seriöse Initiativen anbieten könnt, damit altersentsprechende Penpals zueinander finden, denn ich bin ü65 und, machen wir uns nichts vor, kein besonders spannendes Exemplar. Aber ich habe ein noch wild schlagendes Herz und zwei Ohren, die, so sagt man mir nach, zuhören können. (Fragt die Katze meiner lieben Tochter, die mir ab und zu Wippchen und Kummer berichtet 😿😄.) Womöglich entstehen sogar Kontakte, die über die akute Corona-Phase hinaus andauern?!

Schreibt mir entweder bei Instagram eine PN oder schaut hier unter Kontakt nach meiner Email-Adresse, denn wir wollen ja auch die Post in diesen Tagen nicht überlasten und Portokosten sparen.

Von uns wird zu Recht eine überlebenswichtige physische Distanz gefordert, die aber keinesfalls eine soziale werden darf. Passt auf Euch und Euren Nächsten auf!

4 Thoughts

  1. Dein weißes ‚Engelchen‘ an Deiner Seite wird Dich über vieles hinweg trösten. So bekomme ich ebenfalls Trost von meinen beiden Katzen, die stets bei mir sind. Gott ist sowieso stets Tröster und Beistand, wenn ich ihn als Vater anrufe.
    Menschliches Miteinander ist selten. Eine Familie ist nicht mehr da, nur ein Sohn, der in dieser Krise nicht mehr kommen darf. Was ich gelernt habe: Man darf von niemandem Hilfe erwarten. Man sollte versuchen, sich selbst zu helfen. Anderen niemals eine Last sein, sie in Gefahr bringen. Und dankbar für alles sein, das früher, vor der Krise, selbstverständlich war.
    Eigentlich lebe ich seit Jahren mehr oder weniger in Quarantäne, denn ich bin alt und krank. Ab einem Alter von 50 Jahren wird man unsichtbar. Sozialkontakte, ja, aber die Menschen mögen nicht mehr telefonieren oder sprechen. Schreiben schon gar nicht…und über Gott oder den Tod reden, die sind tabu.
    Jetzt müssen wir umlernen. Die Gesellschaft wird sich ändern müssen. Von EU keine Spur. Jeder schottet sich ab. Autark sein heißt es jetzt. Nicht mehr billig im Ausland produzieren.
    Und die Natur holt sich alles wieder, was man ihr genommen hatte.
    Es ist wie ganz am Anfang: Weil der Mensch aß, ist der Tod in die Welt gekommen, damals im Paradies und jetzt wieder.

    Bleib gesund und habt alle eine gute Zeit!

    Liebe Grüße sendet Gisela

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    1. Hallo Gisela,
      vielen Dank für Deine lieben Zeilen, in denen trotz tröstlicher Worte eine ganze Menge Traurigkeit mitschwingt. Wir haben viel gemeinsam, denn auch ich bin ü65 und lebe aufgrund eines Handicaps seit fast zwei Jahrzehnten in quarantäneähnlicher Unsichtbarkeit. Doch diese Abgeschiedenheit fordert ihren Preis – wir sehen nur noch, was wir sehen wollen und das ist oft zu negativ geprägt. Wenn wir offener auf unsere Mitmenschen zugehen, werden wir nicht selten plötzlich wieder sichtbar. Unsere Gesellschaft ist sicher durch vielerlei Einflüsse egoistischer geworden (altersunabhängig!), aber wir sollten aktiv nach Anzeichen Ausschau halten, die beispielhaft dagegen halten. Und wenn wir keine sehen, müssen wir sie selbst schaffen. Eines meiner Lieblingszitate stammt von Martin Buber: „Der Mensch wird am Du zum Ich“. Ich muss mich also Menschen in meiner Nähe zuwenden, um selber daran zu wachsen und Kraft daraus zu ziehen. (Das schlimmste Zitat, finde ich, lautet „Seit ich die Menschen kenne, liebe ich die Tiere“. Beides geht, wenn man richtig hinschaut.) Ich freue mich, dass Dir Dein Glauben und Deine Katzen eine so große Stütze sind und hoffe aber, dass auch Menschen dazu gehören! Bleib weiterhin offen, pass auf Dich auf und bleib gesund!
      Liebe Grüße, Heather

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      1. Guten Morgen, ich verstehe, was Du mir sagen willst. Meine Lebenserfahrungen mit anderen Menschen waren bisher wenig positiv. Verzeih den Vergleich: Jesus war der Mensch, der liebevoll allen seinen Mitmenschen beistand. Trotzdem haben sie ihn gekreuzigt. Das heißt nicht, dass ich ein Menschenhasser bin. Ich schaue niemals weg, wenn jemand Hilfe braucht. Im Gegenteil. Ich bin nur nicht bereit wieder sichtbar zu werden, um mir von Menschen in den Hintern treten zu lassen, denen ich zuvor geholfen habe. Das habe ich oft genug erlebt. Aber gerade das hat mir die Kraft gegeben, alleine zu sein. So ist aus dem DU ein ICH geworden. Da hat Buber recht.

        Alles Liebe!

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  2. Hallo Gisela,
    es ist traurig, dass Du so oft enttäuscht wurdest und ganz besonders traurig ist Dein persönlicher Verlust, den Du erst vor so kurzer Zeit erlitten hast und von dem ich erst bei einem Besuch Deiner Gedenkseite erfuhr. Da die Kommentarfunktion dafür eher ungeeignet ist, kannst Du mich gerne unter meiner Emailadresse (s.Kontakt) anschreiben, wenn Du möchtest.
    Ich wünsche Dir alle Kraft der Welt für Deinen schweren Weg! Pass auf Dich auf,
    Heather

    Gefällt 1 Person

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