Reden wir über Pilze und Moos

Als Debütantin unter den Indie-Schreibenden leide ich unter permanenter Unsicherheit, unter mangelndem Wissen über Aufbau, Stil, Grammatik, Ausdruck und professioneller Hilfsangebote und natürlich späterhin dem Komplex der Veröffentlichung und des Self-Marketings. Als ich vor drei Jahren mein Kinderbuch bei Amazon hochlud, platzte ich fast vor Nervosität und, das gestehe ich ehrlich, vor Stolz. Natürlich hatte ich einige wenige Ratgeber zuvor gelesen, mir jedoch aus heutiger Sicht, doch deutlich zu wenig Informationen angeeignet.

Nun sind in den vergangenen Jahren nicht nur Jungautoren, sondern auch kaum mehr überschaubare Info-Angebote für Selfpublisher wie Pilze aus fruchtbarem Moos-Boden geschossen. Teils in uneigennütziger Absicht, doch inzwischen natürlich auch in Profitabsicht, was durchaus nicht unanständig ist. Angetrieben durch die Eitelkeit der Menschen, hat schon so mancher Markt lange Blütezeiten erleben dürfen. Leider ist das Problem für den Laien offensichtlich – niemand blickt durch die Fülle der Angebote durch. Welche sind seriös, welche glaubhaft und authentisch? Reicht (k)ein veröffentlichtes Buch aus, um Ratgeber für ein wachsendes Publikum herauszubringen? Monatszeitschriften, Bücher, Tipps bei Social Media, Online-Kurse, kollektiver Schreibwahn mit Gruppendruck, Treffen, Vorträge, Contests – ja, was darf´s denn sein, was muss denn sein?

Schaue ich grob über das Angebot, so finde ich (wie bei allen frisch beackerten Flächen) erst einmal jede Menge Wiedergekäutes. Es wird oft nur umformuliert, neu konfektioniert und nur um einige persönliche Erfahrung bereichert. Ich lehne mich jetzt mal seeeeeehr weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte, dass ich, obwohl ich selber diese Ratschläge noch nie mit Erfolg angewandt habe, einen Schreibratgeber mit „geliehenen“ Ideen verfassen könnte. Einige haben wirklich fantastische Vorarbeit geleistet und tun dies heute noch, andere sind offensichtlich nur auf den Zug aufgesprungen. Zurück bleiben wir, die oft noch ratlosen Möchte-gern-Autoren. Denn eines erfahren wir leider nicht! Das Wichtigste überhaupt! Das, was eben erst ganz am Schluss geschieht. Wird mein Buch den gesuchten Leser erreichen? Kann ich etwas auslösen? Wird es fesseln oder unterhalten? Beflügelt mich das ausreichend zum Weitermachen? Wirft das Schreiben eines Tages womöglich ausreichend Moos (um im Bild zu bleiben) ab, um Rechnungen bezahlen zu können?

Leider sehe ich auf Social Media Plattformen immer wieder, wie Debütanten (und gleichberechtigte Onkel 😏 ) mit Textauszügen um Feedback betteln, das sie zuweilen netterweise auch bekommen, aber mit dem Copy-and paste-Beigeschmack der obersten Marketingregel „Sei social, kommentiere und antworte“ oder der versteckten Aufforderung immer Gleiches mit Gleichem zu vergelten. Ich folge auch dem einen oder anderen Blogger und erkenne, wie wenig ehrliche Interaktion dort geschieht. Natürlich gilt das auch für andere Interessengruppen und ist nicht nur auf Autoren beschränkt.

Ich fürchte, der Unterschied zwischen einem erfolgreichen Autoren und einem weniger erfolgreichen, liegt nicht darin, wieviele Schreibtipps er sich zuvor „reingezogen“ hat! Viele Ratgebenden wollen uns das nur zu gerne suggerieren, sie leben schließlich z.T. davon. Ich könnte mir 20 Jahre lang Musiktheorie-Handbücher, Tutorials oder Fachbücher zu Gemüte führen und würde dennoch nie ein tolles Oratorium erschaffen können oder ich könnte jeden Tag am Barren hängen (Scherz!) und käme dennoch nie zu olympischem Gold! Womöglich wird es nicht einmal für einen erfolgreichen Roman reichen. Wer weiß das schon. Warum wird in den Ratgebern nicht einmal von Talent gesprochen? Vielleicht, weil der Traum von „Mit diesen guten Tipps kann es jeder schaffen“ wie eine Seifenblase platzen könnte? Wie erkennen wir selbstkritisch, ob in uns Talent schlummert? Sich darüber hinaus notwendiges Handwerkszeug anzueignen, wäre daran gemessen ein Leichtes, oder?

Auch ich bin natürlich im Besitz einiger Sachbücher zu dem Thema und lese gerne stippvisitig Tipps, habe aber beschlossen, mich nicht mehr irre und meinen Stoff dadurch nicht verkrampft machen lassen zu wollen. Ob das ein Fehler oder womöglich eine gute Entscheidung ist, werde ich erst am Schluss und nur mit Hilfe eines guten Lektorats entdecken. Ich hoffe dann auch auf möglichst viele und ehrliche Rezensionen, keine Gefälligkeitslobhudelei, damit ich lerne oder rechtzeitig aufhöre. Eine Aussage darüber wie ihr das mit euren Projekten haltet, würde mich tatsächlich interessieren. Wieviel fachlichen Input benötigt ihr für euren Roman, setzt ihr das sofort um und was findet ihr besonders hilfreich, bzw. welche Informationen fehlen?

Mit der Antwort darauf darf an dieser Stelle nun ein erbetener Pilz sprießen! 🍄

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