Über das Loslassen und Anfangen

Ein Thema, über das ich ungern rede und wenn, dann bevorzugt im Kontext zu allgemeineren Äußerungen oder Statements, bin ich selbst. Ich bin ü60. Darüber hinaus in jeder Hinsicht durchschnittlich, ausgenommen meine Größe, die etwas darüber liegt, genau wie leider auch mein Gewicht ;o). Von Beruf bin/war ich Industrie-Designerin, doch gerufen hatten mich viele Tätigkeiten. Am innigsten und intensivsten war meine selbstständige Zeit, in der ich mich fast besessen mit Literatur, Spiel-/Lehr- und Lernmaterial für Kinder mit besonderem Förderbedarf auseinandersetzte, sowohl ein Ladengeschäft als auch einen Versandhandel betrieb und mit viel Enthusiasmus selber Material entwarf und produzierte. In dieser Zeit erlebte ich, dass a) lesen im Kindesalter immens wichtig ist (klaro!), aber es b) deutlich zu wenig Bücher für Jungen und männliche Jugendliche gibt! Schaue ich heute mir Bücherblogs und Vlogs an, sehe ich, dass sich daran nichts geändert hat! Rowling, Collins oder Martin (nur stellvertretend für zahlreiche andere genannt) müssen das Versäumte retten, wollen wir nicht ausschließlichTolkien, Stevenson, Dumas, Verne, London, Dickens u.v.a. Klassiker bemühen (die selbstverständlich trotzdem unbedingt gelesen werden sollten!).

Vor 3 Jahren veröffentlichte ich als Selfpublisherin ein kleines Kinderbuch – eine Geschichte, die mir ans Herz gewachsen war und die in meinem Kopf wie ein eingekerkertes Gespenst spukte, bis ich sie in die Freiheit entließ. Am Anfang, so gilt es für mich, muss ein Ereignis stehen, das erzählt werden will und dem ich eine Gestalt geben muss. Mein Büchlein floppte, wie, sein wir mal selbstkritisch, das Gros der selbst verlegten (auch wenn wir uns gerne gut zureden lassen wollen, es sei nicht so oder es müsse so nicht sein). Fehlendes Knowhow, fehlendes Marketing, fehlendes Lektorat und Korrektorat und, und, und … die Liste der Fehler ist lang, manchmal sicher auch fehlendes Talent! Ich lege mich unter mein Mikroskop und erkenne, dass ich mit dem Schreiben und dem Entwerfen meines Plots, meiner Charaktere, meines Settings etc. eigentlich voll und ganz ausgelastet bin. Ich will mich in Wirklichkeit gar nicht mit meinem eigenen Marketing beschäftigen (dann hätte ich Mediengestaltung/Marketing studiert), ich mache leider Grammatik- und Rechtschreibfehler, weil ich nicht Deutsch studiert habe, und ich will nun einmal lieber schreiben, als tagelang heraus zu knobeln, wie ich meine Covergestaltung und meine Textblöcke in eine anständige, hochladbare Form bekomme. Da bin ich trotzig! Aus Gründen, zu denen ich erst später Stellung nehmen möchte, sehe ich mich auch nicht vor Publikum eine Lesung halten. Ich schreibe schließlich, weil ich nicht reden will. Wann ist das geschehen, dass der Mensch hinter einem Buch wichtiger geworden ist, als das Buch selbst? Im Hinterkopf behalte ich jedoch die Option, mein neues Projekt in fachlich versierte Hände zu geben und mir helfen zu lassen. Das wird Geld kosten und so werde ich darauf sparen, sollte ich am Ende meines Schaffens dem Ergebnis eine Chance geben wollen. Aber zunächst ist das noch überhaupt nicht wichtig!

Eines meiner Lieblingszitate stammt vom jüdischen Religionsphilsophen Dr. Martin Buber und obwohl ich mit dem Inhalt zuweilen hadere, erkenne ich den hoffnungsvollen, motivierenden Kern:

"Alt werden ist ein herrlich Ding, wenn man nicht verlernt hat, was anfangen heißt." 

Nur wer loslässt, hat die Hände frei, heißt es. Die Freiheit, das Anfangen neu zu lernen, nehme ich mir.

Also, los!

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